Rezension
Er ist der Oldie seiner Zunft. Der Autor wurde 1925 in Porto Empedocle geboren und war in seiner Heimat bis etwa 1978 nur als Drehbuchautor und Regisseur bekannt. Er lebt heute mit seiner Frau in Rom, im Stadtteil Trastevere. Wer schon mal dort war, wird Camilleri verstehen.
Neunzehn Krimis um Commissario Salvo Montalbano hat er bisher geschrieben, ├╝ber zwanzig historische Romane und etliche Kurzgeschichten.
Egal, was er schreibt, Camilleris Sprache ist prall, unmissverst├Ąndlich und ma├člos direkt. Was bei anderen schl├╝pfrig oder anz├╝glich klingen w├╝rde, das hat bei diesem Autor Stil und Klasse. Wo andere ausweichen, kommt er zur Sache. Schnell und direkt.
Endlich lerne ich den Unterschied zwischen Sizilien und dem Rest Italiens kennen, bekomme ein Verst├Ąndnis f├╝r Verhaltensmuster in s├╝ditalienischen K├Âpfen und begreife die Wichtigkeit einer Mahlzeit. Ob allein oder mit Freunden.
Die Region und ihre Menschen stehen bei Camilleri an erster Stelle. ├äu├čerst liebevoll beschrieben und scharf gezeichnet. Und jeder Figur widmet er die gleiche Aufmerksamkeit.
Das sind Regionalkrimis im wahrsten Sinne des Wortes.
Zwei Leidenschaften besitzt Commissario Montalbano, von seinen Freunden Salvo genannt, in besonders ausgepr├Ągter Form: Essen und Ermitteln. In beiden Dingen versteht er keinen Spa├č. Die t├Ągliche Mahlzeit in seinem Lieblingslokal ist ein Ritual, das er ungest├Ârt genie├čen m├Âchte. Auch Ermitteln m├Âchte er am liebsten allein. Sehr zum ├ärger und Verdruss seiner wirklich sympathischen Kollegen im Kommissariat von Vig├áta. Seiner Verlobten Livia geht es nicht besser. Zu ihrem Leidwesen und seinem Wohlbefinden (nein, er ist ihr treu) pflegen sie eine Fernbeziehung mit nicht zu h├Ąufigen Treffen.
So stur Montalbano in der Verfolgung seiner Ziele ist und dabei auch enge Freunde durch Schroffheit vor├╝bergehend verprellt, so feinf├╝hlig wird er beim Lesen von Belletristik. Manchen, die sein ungehobeltes Verhalten mit fehlender Bildung verwechseln, erschl├Ągt Montalbano mit Worten, wobei er das Florett f├╝hrt ÔÇô nicht das Schwert.┬á
Camilleri gibt sich gro├če M├╝he, die Verhaltensweisen der Sizilianer und ihren Umgang miteinander zu beschreiben. Das ist auch notwendig, da die von Montalbano aufgekl├Ąrten Verbrechen h├Ąufig so skurril und zumindest f├╝r den deutschen Leser so ungew├Âhnlich sind, dass er zun├Ąchst einmal lernen muss, die Menschen, also die Akteure, zu verstehen. Mich beschleicht manchmal das Gef├╝hl: Solche Morde gibt es bei uns in Deutschland gar nicht.┬á
Siebenunddrei├čig B├╝cher von Andrea Camilleri stehen in meinem Regal. Ich greife nach irgendeinem und beginne zu lesen und entdecke stets neue Details.
Seine Website www.andreacamilleri.net gibt es leider nur in italienischer Sprache. Gl├╝cklich, wer des Italienischen m├Ąchtig ist.
Wer mehr ├╝ber Commissario Montalbano und das von Andrea Camilleri beschriebene Sizilien erfahren m├Âchte, dem empfehle ich bei Wikipedia Andrea Camilleri einzugeben. Hier steht wirklich Wissenswertes, was das Verstehen und Eintauchen in die Geschichten erleichtert.┬á┬á┬á
Wem die Krimis gefallen, sollte sich unbedingt auch die deutschen Verfilmungen anschauen. Mehr ├╝ber die Drehorte erfahren Sie gleichfalls bei Wikipedia. Mir gefallen die Montalbano-Filme sehr gut. Sie wirken au├čerordentlich realistisch und zum Gl├╝ck nicht verf├Ąlscht.┬á
Ich wollte eigentlich jegliche Bewertung vermeiden. Aber an dieser Stelle komme ich nicht umhin zuzugeben: Ich bin ein gro├čer Bewunderer von Andrea Camilleri und seinem Commissario.
Die B├╝cher erscheinen s├Ąmtlich bei Bastei L├╝bbe.
Andrea Camilleri
Die Form des Wassers


Bewertung

5/5 Region

5/5 Sprache

5/5 Originalit├Ąt

5/5 Emotion

5/5 Plot (das Handlungsger├╝st)


Gesamtbewertung

Informatives

Autor/en

Er ist der Oldie seiner Zunft. Der Autor wurde 1925 in Porto Empedocle geboren und war in seiner Heimat bis etwa 1978 nur als Drehbuchautor und Regisseur bekannt. Er lebte mit seiner Frau in Rom, im Stadtteil Trastevere. Wer schon mal dort war, wird Camilleri verstehen. Andrea Camilleri starb im Juli 2019.

Kommissar/e

Salvo Montalbano. Commissario und Chef einer kleinen Dienststelle auf Sizilien, irgendwo an der K├╝ste. Stur ist Montalbano, der mal so und mal Salvo genannt wird. Er schafft es spielend, seine Freunde und seine weit weg wohnende Freundin zu verprellen. Er ermittelt am liebsten allein und liebt das Essen ├╝ber alles. Man m├Âchte ihn kennenlernen.

Tatort/e