Rezension
Der Autor beweist wieder einmal, was für ein exzellenter Kenner der Region er ist und dass er es sich erlauben kann, seinen Lesern eine spannende Geschichte ohne übertriebene Hektik zu bieten.
Es fällt leicht, der Handlung zu folgen, ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit ist allerdings erforderlich. Unerklärliche Brüche in der Handlung sucht man bei Veit Heinichen vergebens. Der Autor ist ein Profi, der seine Leser bestens bedienen will. Der neunte Krimi um den Ermittler Proteo Laurenti hat nichts an Frische verloren. Besondere Anerkennung hat die Figur der Teresa Fonda verdient. Eine beneidenswerte Lebenskünstlerin, die ihr Leben im Griff zu haben scheint.
Korruption und Bestechung beschreibt der Autor mit aufreizender Genauigkeit, die Abscheu gegenüber den Betreffenden wächst zu Seite zu Seite. Der Autor nimmt sich Zeit, Schlechtigkeit und Verwerflichkeit genau zu beschreiben. Auf der Schattenseite der Gesellschaft brillieren zwei Personen: Daria Bono, die Leiterin eines Altenheims und Lino La Rosa, dessen uneheliche Tochter sie ist. Die kühle Beschreibung der von den beiden begangenen Gemeinheiten macht sprachlos.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Diego Colombo. Ein Gauner, ein Räuber, ein Verbrecher, ein liebenswerter Mensch. Die Bandbreite der Gefühle, die ihm entgegengebracht werden reichen von Anerkennung bis hin zu schroffer Ablehnung. Für manche ist er auch ein Held, der vor vielen Jahren während eines spektakulären Überfalls ums Leben gekommen ist.
Ist er ein toter Held oder lebt er noch?
Das ist hier die Frage.
So tot er nach Ansicht derer die es wissen müssten auch ist, so lebendig geistert er in den Köpfen anderer herum, die sich seinen Tod nicht vorstellen können. Das genau ist auch das Problem des Vicequestore Proteo Laurenti. Ein nächtlicher Überfall im alten Hafen von Triest trägt die eindeutige Handschrift des tot geglaubten Diego Colombo. Staatsanwalt Scoglio formuliert Proteus´ Dilemma so: „ An Ihrer Stelle, Commissario, wäre ich stinksauer. Nehmen Sie das (gemeint ist der nächtliche Überfall) persönlich, als eine gezielte Provokation, dass er nach so vielen Jahren wieder in Ihrem Zuständigkeitsbereich zugeschlagen hat. Colombo führt Sie vor wie einen blutigen Anfänger.“
Die Zeitungsfrau erschien Anfang August 2016, und wie die vorangegangenen Bände um Proteo Laurenti, gleichfalls bei PIPER.
Veit Heinichen
Die Zeitungsfrau


Bewertung

5/5 Region

5/5 Sprache

5/5 Originalität

5/5 Emotion

5/5 Plot (das Handlungsgerüst)


Gesamtbewertung

Informatives

Autor/en

Heinichen wurde 1957 zwischen Bodensee und Schwarzwald (genauere Angaben lassen sich der Website www.veit-heinichen.de nicht entlocken) geboren. Bevor er begann, selbst Bücher zu schreiben, arbeitete er als Buchhändler und danach für Verlage in der Schweiz und in Deutschland. Die Website ist gut aufgebaut und höchst informativ â?? es macht Spaß, hier zu stöbern. Die Fangemeinde von Autor und Commissario kann hier jede Menge Wissenswertes entdecken und die Bilder der handelnden Personen schärfer einstellen. Seit 1980 lebt Veit Heinichen auch in Triest.

Kommissar/e

Proteo Laurenti. Als Vicequestore kümmert er sich in Triest in erster Linie um die Schwergewichte in der Welt der Kriminellen. Er liebt seine Frau und seine beiden fast erwachsenen Kinder und arbeitete einmal sehr sehr eng mit einer attraktiven Staatsanwältin aus dem Nachbarland zusammen. Das tut er inzwischen nicht mehr. Laurenti ist kein Held, wird aber stocksauer, wenn er offensichtliches Unrecht wahrnimmt.

Tatort/e