Ein Sohn ist uns gegeben ist der 28. Fall um Commissario Brunetti. Er erschien bereits am 22. Mai 2019. Nicht Mord und Todschlag bilden den Beginn dieser Geschichte, sondern eine Bitte des Conte Falier an seinen Schwiegersohn Guido Brunetti. Dieser befindet in einem Zwiespalt. Soll er als braver Schwiegersohn dem Wunsch seines Schwiegervaters folgen oder der pflichtbewusste Polizist bleiben, der er all die Jahre gewesen ist.
Die Geschichte, die dem Wunsch des Conte zu Grunde liegt, ist höchst ungewöhnlich, aber durchaus nachvollziehbar und glaubwürdig. Da der Schwiegervater bislang seinem Schwiegersohn mehr als einmal mit wertvollen Ratschlägen zur Seite stand, spürt Brunetti ein gewisses Maß an Verpflichtung, sich im Sinne seines Schwiegervaters in der Gesellschaft umzuhören.
Der Leser taucht ein in die Gesellschaft der „Reichen und Schönen“ und des Kunsthandels und schlüpft in eine Beobachter-Rolle. Die Sorge des Conte ist groß. Zum einen steht ein beträchtliches Vermögen auf dem Spiel, das in falsche Hände zu geraten droht. Zum anderen droht eine langjährige Freundschaft an der Eigenwilligkeit eines reichen Kunsthändlers zu zerbrechen. Wer näheres weiß oder ahnt schüttelt den Kopf – doch ein jeder ist machtlos. Einzelheiten oder nähere Informationen zur Handlung erfährt man aus den Ankündigungen und dem Cover. Diese Hinweise zum Inhalt an dieser Stelle wiederzugeben, erscheint mir wenig sinnvoll zu sein.
Wichtig und allein ausschlaggebend für den Inhalt dieses Kriminalromans ist die scheinbare Einmaligkeit des Vorgangs, der aber ohne Zweifel vorstellbar ist. Akteure sind in diesem 28. Band im wesentlichen Commissario Brunetti und sein Schwiegervater, der Conte. Ihr Handeln und eine stets spürbare Behutsamkeit im Umgang mit dem Thema der Geschichte enthalten aus meiner Sicht wesentliche Hinweise auf das allmähliche Verschieben des Schwergewichtes künftiger Geschichten.
Der erfahrene Leser spürt die Entwicklung, die Donna Leon allmählich einleitet und kann sie eigentlich nur gutheißen, denn unbestritten werden alle Akteure älter und somit gelassener, ruhiger und überlegender. Ich beobachte diese Entwicklung seit einigen Bänden und ich muss sagen, sie gefällt mir richtig gut.
