In dem Band Nordseerätsel ist Raphael Freersen wieder einmal als Privatermittler tätig und Heike Denzau nutzt geschickt ein bekanntes Stilelement von Agatha Christie. So bekommt der Handlungsablauf verblüffende Ähnlichkeit mit einer der Geschichten um Hercule Poirot, ohne diesen jedoch nur zu imitieren.
Der alte Suhrkamp lädt in seine große Villa die gesamte Verwandtschaft für eine Woche ein. Jeder folgt mehr oder weniger freiwillig seiner „ Einladung“. Schließlich lockt das Geld. Es geht um sehr viel Geld, denn Suhrkamp ist vermögend und sein 90. Geburtstag steht unmittelbar bevor. Geliebt wird er nur von wenigen, verachtet und gehasst dafür von den meisten. Den alten Herrn stört das wenig, er weiß um seine Rolle und geht damit souverän um.
Eine Woche lang in der großen alten Villa „Gast“ zu sein, bedeutet für viele schon ein großes Opfer, im Gegenzug erwarten den Sieger der von Suhrkamp initierten Veranstaltungg 100.000 € als Belohnung. Der Haken daran ist, dass sich alle Familienmitglieder einem Wettbewerb stellen müssen, den nur einer gewinnen kann. Eingeladen ist auch Raphael Freersen, den der alte Suhrkamp bewusst als Aufsicht- und Kontrollorgan eingeladen hat, damit sich auch ein jeder an die Regeln hält.
Freersen findet mehr und mehr Gefallen an seinem Auftrag. Der Leser vermutet richtig, wenn es am Ende aus dem Spiel schließlich Ernst wird. Doch damit ist die Geschichte keinesfalls zu Ende.
Die Autorin setzt die Geschichte um den alten Suhrkamp fort und gibt ihm eine völlig überraschende Wendung. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Das Buch soll ja gelesen werden. Und dann ist da noch eine dritte Geschichte, die sich von Anfang bis zum Ende wie ein roter Faden durch den Handlungsablauf zieht. Das muss genügen, um zusätzliche Lese-Anreize zu schaffen. Raphael Freersen erweist sich seiner Aufgabe als Titelheld wieder einmal würdig.