Rezension
Martin Walker verwöhnt den Leser mit gutem Essen der Region und detailliertem Wissen um das geschichtsträchtige Périgord.
Warum tut er das?
Nur eine Vermutung: Er hat sich vollkommen einnehmen lassen von der Fülle an Besonderheiten seines neuen Lebensumfeldes, dass er nicht umhin kann, all das Erlebte auch seinen Lesern mitzuteilen. Dass es auch dort, „wo es schön ist“ Mord und Totschlag gibt, liefert dem Autor seit zehn Bänden genügend Gründe, daraus spannenden Geschichten zu ersinnen.
Zu Land, Essen und Leuten passt wundervoll sein Protagonist Bruno Courrèges. Bruno ist Mädchen, pardon Mann, für alles. Er ist zwar „nur“ Chef de police der französischen Kleinstadt Saint-Denis, verfügt aber außerdem über ein solches Ausmaß an sozialem Engagement, dass es einem schier den Atem raubt. Auch die Beliebtheit bei Frauen scheint grenzenlos zu los. Wenn er auf dem Markt für seine eigene Küche einkauft (Kochen kann er auch), nehmen die Begrüßungsküsschen der holden Weiblichkeit kein Ende.
Und dann ist Bruno auch noch Ermittler. Mit Leidenschaft, stark ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und bemerkenswerter Unnachgiebigkeit. Da kennt er weder Freund noch Feind.
Der zehnte Band Revanche für Bruno Chef de police beginnt erwartungsgemäß launig und Stimmungen beschreibend, Wohlfühl-Stimmungen. Vorsicht, lieber Leser, lassen Sie nicht zu sehr einnehmen von diesem scheinbaren Ferien-Stimmungsbild. Achten Sie auf Zeichen und auf Anzeichen. Warum sagt dieser „das“ und warum jener „dieses“? Geht es wirklich nur um Urmenschen und ihre Höhlenbilder? Spielt der Templerorden tatsächlich eine entscheidende Rolle?
Warum vergrößert sich der Aktionsradius laufend?
Längst hat vieles nicht mehr mit der alltäglichen Verbrechensbekämpfung und Aufklärung im Périgord zu tun. Ehe Bruno zugeben muss, vor den neuen Herausforderungen, die ein mysteriöser Todesfall heraufbeschworen hat, kapitulieren zu müssen, taucht eine Fee in Gestalt der Amélie auf. Eigentlich soll sie im Auftrag des Justizministeriums den Chef de police bei der Arbeit beobachten, erweist sich aber im Laufe der Zeit als perfekte Ergänzung und unerlässliche Hilfe.
Ich gebe freimütig zu, dass ich mich viele Seiten lang einnehmen ließ von der Geschichte um die Aufklärung des rätselhaften Absturzes einer jungen Archäologin und die Überleitung in die nächste Eskalationsstufe fast verpasst hätte.
Ach ja, wer Bruno kennt, der kennt auch Isabelle. So viel sei verraten: Bruno trifft Isabelle in Band zehn.
Der Band Revanche erschien im April 2018 und zwar im Diogenes Verlag, wie die vorangegangen Bände auch.
Martin Walker
Revanche


Bewertung

5/5 Region

5/5 Sprache

5/5 Originalität

5/5 Emotion

5/5 Plot (das Handlungsgerüst)


Gesamtbewertung

Informatives

Autor/en

Martin Walker wurde 1947 in Schottland geboren und ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Nach seinem Studium arbeitete er 25 Jahre als Journalist bei der britischen Tageszeitung "The Guardian". Heute ist er Vorsitzender eines privaten Think-Tanks für Topmanager in Washington. Der Autor hat es geschafft, mich intensiver mit dem Périgord, genauer, dem Kulturerbe vom Périgord-Dordogne, zu beschäftigen. Wenn Sie auch mehr zu diesem Thema wissen möchten, geben Sie als Suchbegriff "Auf den Spuren von Martin Walker" ein. In einem kleinen Film gibt Martin Walker zudem einen kleinen Einblick in das Leben seines Protagonisten Bruno. Oder Sie schauen sich die Website www.brunochiefofpolice.com an.

Kommissar/e


Tatort/e