Rezension
Eingestimmt auf das, was mich in etwa erwartet, war ich durch das Lesen des ersten Buches von Christian Kraus, Der Seele dunkle Seite. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis ich den bereits 2018 erschienenen zweiten Band des Autors in die Hand nahm.
Es ist ein Psychothriller. Einer, der den Leser (auch mich) nicht nur zum Lesen bringt, sondern auch zum Lesen zwingt. Christian Kraus ĂŒberzeugt mich durch konsequente Genauigkeit.
Kann man das so ausdrĂŒcken?
Wissen Sie, was ich meine?
Der Autor macht das Grauen verstĂ€ndlich. Ja, das ist es. Der Lese-Schock sitzt tief und löst sich sogleich auf durch den folgenden logischen Handlungsablauf. Das Furchtbare wird behutsam erklĂ€rt, es bleibt nicht in einem Dunst verschwunden. NatĂŒrlich braucht es Zeit, um ganz allmĂ€hlich das UnerklĂ€rliche, fassungslos machende, zu erklĂ€ren.
Nein, nicht ganz, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Ist es der Krimischriftsteller oder der Facharzt fĂŒr Psychiatrie, der mit dem Leser spielt und in die Irre fĂŒhrt? Christian Kraus nutzt sein Wissen in geballter Form aus, um dem Leser eine unglaubliche und zugleich verstĂ€ndliche Geschichte zu bieten. Keine leichte Aufgabe, schließlich will er am Ende der LektĂŒre vom Leser auch ein verstehendes „Aha“ hören – statt eines unglĂ€ubigen KopfschĂŒttelns.
Können Sie sich einen Psychothriller mit GefĂŒhl vorstellen?
Konnte ich auch nicht. Aber ich versichere Ihnen: das geht. Wenn Christian Kraus diese Geschichte schreibt. Ein ganzer Berg von GefĂŒhlen tut sich da auf, der Leser wird mitgerissen und hofft und wartet.
Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch. Das Buch heißt Töte, was du liebst und ist (immer noch) ein Psychothriller.
Als deutliches Zeichen dafĂŒr, dass dieses Buch auch ein handfester Krimi nach bewĂ€hrtem Muster ist, stellt der Autor dem Leser wĂ€hrend des Handlungsablaufs eine Ermittlergruppe zur Seite, die ihm stets ein wenig Halt und Orientierungshilfe bietet.
Hier sind noch ein paar persönliche Anmerkungen: Ich gebe zu, dass ich mich mit dem Lesen von Psychothrillern schwer tue, bzw. schwer tat. Vielleicht ist es das aus Laiensicht schwer Vorstellbare bzw. Nachvollziehbare. Möglicherweise bin ich auch zu sehr von „herkömmlichen“ Krimi-Mustern geprĂ€gt. Dann habe ich mich an Der Seele dunkle Seite (den ersten Kriminalroman des Autors) herangewagt. Ich glaube, es war damals die Biografie des Autors, die mich neugierig auf dieses Buch machte. Lesen Sie hierzu bitte auch meine Rezension. Übrigens liegt vor mir der dritte Band des Autors, mit dem Titel Nichts wird dir bleiben. Das Buch erschien am 1. August 2019 – wieder bei Droemer Knauer. 
Christian Kraus
Töte, was du liebst


Bewertung

5/5 Region

5/5 Sprache

5/5 OriginalitÀt

5/5 Emotion

5/5 Plot (das HandlungsgerĂŒst)


Gesamtbewertung

Informatives

Autor/en

Ich wurde 1971 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin, Promotion und Facharztausbildung arbeitete ich bis 2011 als Facharzt fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie im UniversitĂ€tsklinikum Hamburg Eppendorf, seitdem als niedergelassener Ă€rztlicher Psychotherapeut und Psychoanalytiker. Mit dem Schreiben habe ich bereits in der Jugendzeit begonnen. WĂ€hrend meiner Klinikzeit habe ich eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten zu psychiatrischen Themen veröffentlich, aber letztlich siegte meine Leidenschaft fĂŒr Unterhaltungsliteratur. Ich schreibe am liebsten morgens oder vormittags fĂŒr eine oder zwei Stunden, oft auch noch in der U-Bahn auf der Fahrt in meine Praxis in die Hamburger Innenstadt.

Kommissar/e


Tatort/e



Christian Kraus - Interview mit dem Autor